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Der Rabe Thursday

"Skeleton Tree. Nur die Wilden überleben". Wie zwei Jungen auf einem einsamen Küstenstreifen Alaskas überleben - ein Abenteuerroman mit Schauereffekt des kanadischen Jugendbuchautors Iain Lawrence.

Iain Lawrence verliert keine Zeit, um seine zwei Protagonisten dorthin zu kriegen, wo er sie haben will: in die Wildnis Alaskas, ganz auf sich allein gestellt. Die Mutter von Chris äußert nur kurz Bedenken, dann lässt sie ihren zwölfjährigen Sohn auf eine Segeltour entlang der rauen Küste Alastkas gehen, mit Onkel Jack und einem ihm unbekannten Jungen. Obwohl keine Ferien sind und sie über ihren Bruder Jack sagt: "Er ist erst glücklich, wenn er sich in Gefahr begibt."

Genauso schnell wie Lawrence Chris an Bord der Puff gebracht hat, lässt er das Boot bei einem Sturm untergehen. Onkel Jack ertrinkt. Der ängstliche Chris und der drei Jahre ältere, leicht reizbare Frank können sich nur mit Mühe an Land retten. Es ist zwar keine Insel, auf der die Jungs stranden, wie bei Daniel Defoe und seinem "Robinson Crusoe", sondern ein einsamer Küstenstreifen. Die beiden müssen jedoch bis zu ihrer Rettung genauso um ihr Leben kämpfen wie der berühmtste Schiffbrüchige der Literaturgeschichte. Danach sind sie nicht mehr dieselben wie vor der Reise. Mehrmals spielt Iain Lawrence in "Skeleton Tree. Nur die Wilden überleben" auf Robinson an. So, als Chris in einem Raben einen treuen Begleiter fndet und ihn Thursday tauft. Das ist nicht der einzige Verweis, den der kanadische Jugendbuchautor eingebaut hat. Erwähnt werden auch die "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens und Mary Shelleys "Frankenstein". "Skeleton Tree" ist nicht nur ein rasch erzähltes Abenteuerbuch, das von der Magie der Wildnis lebt und die gefährliche Begegnung mit einem Grizzlybären als Herzstück hat. Es besitzt auch eine schauerliche Seite.

Dabei bleibt es in der Schwebe, was real und was nur eingebildet ist. "Christopher hat eine lebhafte Fantasie", steht in seinem Schulzeugnis, und so weiß man nicht, woher die Geräusche kommen, die er nachts hört, wenn er kein Auge zumachen kann und ein "Wesen" zu sehen meint. Skeleton Trees allerdings, sogenannte Bestattungsbäume, gab es einst wirklich bei der indigenen Bevölkerung. In Kisten oder Kanus bestatteten diese ihre Toten oben in den Bäumen. Das erfährt man auch im Nachwort des Autors. Solch ein unheimlicher Skeleton Tree steht in der Nähe der verfallenen Hütte, die den Jungen eine Art Zuhause bietet.

Neben der Erzählung aus der Perspektive von Chris gibt es jedoch mit dem Buch "Rabenjäger Kaetil", das sie finden, noch eine Geschichte in der Geschichte. Darin geht es um eine "symbiotische Beziehung" zwischen Mensch, Wolf und Rabe. Frank und Chris wissen zwar nicht, was "symbiotisch" bedeuten soll, spüren jedoch, dass es "etwas Besonderes" sein muss. Auch sie müssen nämlich lernen zueinanderzufinden, wollen sie überleben. Und das ist gar nicht so einfach, wenn man so unterschiedlich ist und sich eigentlich "hasst". Der wahre Grund dafür kommt freilich erst ganz am Schluss heraus. Es zeigt sich, dass beide viel mehr verbindet, als ihnen zunächst lieb ist. (ab 12 Jahre)

Iain Lawrence: Sketeton Tree. Nur die Wilden überleben. Aus dem Englischen von Anne Brauner. Freies Geistesleben, 2021. 272 Seiten, 19 Euro

Quelle: Florian Welle, SZ, 21. Mai 2021

Durchs dunkle Tal

Schamanismus im Polizeidienst - Elisabeth Herrmanns neuer Thriller

So was kommt von so was, sagt Léna, Ravnas Urgroßmutter, lapidar und meint damit eine Art ausgleichender Gerechtigkeit. Es geht um einen Mord an Olle Trygg: ein Stich in den Nacken, ein Stich ins Herz, mit einem samischen Messer. Trygg ist ein Same, gehört zur indigenen Gruppe in der norwegischen Grenzregion an der Barentssee, ein skrupelloser Feudalherr und Ausbeuter. Ihm gehören riesige Weideflächen, die die Samen zur Rentierzucht brauchen, die er nun der Firma Streamprom verkaufen will, für Fracking und Gasterminals.

Auch Ravna ist Samin. In der Jugend war sie draußen bei den Herden. Ihre Mutter arbeitet immer noch dort, der Vater, ein Norweger, ließ sie sitzen. Die Schwester Inga ist fort nach Oslo. Auch Ravna will weg, in den Polizeidienst. Am ersten Tag ihres Praktikums wird der tote Trygg entdeckt. Es ist Montag, 25. Novermber 2019. Der Mittwoch ist dann der kürzeste Tag des Jahres, zwölf Minuten lang, danach beginnt die lange Polarnacht. In dieser Woche wird Ravna starke Erfahrungen machen und schwere Entscheidungen treffen.

Beim toten Trygg fallen Ravna einige Sachen auf: die exakt platzierten Stiche, Birkenrinde in einem Stiefel. Später findet sie in der Nähe ein geopfertes Ren - Zeichen für ein Ritual, ein Gute-Reise-Paket auf samisch, um der Seele den Übergang ins Jenseits zu erleichtern. Ein Strich am Boden neben dem Toten soll die Wanderseele abhalten, den Mörder heimzusuchen.

Die junge Samin Ravna hat die üblichen Minderheitenprobleme, wird runtergeputzt und verspottet. Und von ihrem Volk misstrauisch wie eine Verräterin beobachtet. Ein Solidaritätskonflikt. Nur Rune Thor zieht sie mit, den ermittelnden Kommissar. Auch er ein Außenseiter, schwarzer Mantel und schwarze Ringe unter den Augen, krähenhaft. Ein verkaterter Vampir, eine konfiszierte Flasche Whisky leert er ganz allein, verpennt am Tag darauf eine Hausdurchsuchung. Nach einem Besuch bei Léna summt er "Dancing Queen" von Abba. Er und die Urgroßmutter, zwei mystisch, gar dämonisch konturierte Figuren, die Ravnas Coming-of-Age prägen. Léna ist, das lernt Ravna erst allmählich, in die schamanischen Geheimnisse der Samen eingeweiht. Die Leute kommen ratsuchend zu ihr. Auch Rune Thor kommt, er ist selbst in einem tiefen Tal. Bei dem mörderischen Anschlag 2011 auf Utøya hat er Tochter und Frau verloren. Jemand muss ihn lehren loszulassen.

Das große Verbrechen aber ist die Landnahme, als das offene Land Privateigentum wurde, in den Hexenprozessen der Gegend. Fast hundert Menschen starben auf dem Scheiterhaufen. Hier gewinnt das Buch von Elisabeth Herrmann, ihr sechster Jugendthriller, eine atemraubende politische Dimension - es gilt, die Unschuld zu schützen, eines Landes, seiner Jugend. Ein Mahnmal zeugt davon, gestaltet vom Architekten Peter Zumthor und von der Künstlerin Louise Bourgeois. In einem Feuerstuhl dort sehen die Besucher das historische Schicksal und die eigene Verantwortung reflektiert. (ab 14 Jahre)

Elisabeth Herrmann: Ravna. Tod in der Arktis. cbj 2021. 463 Seiten, 22 Euro

Quelle: Fritz Göttler, SZ, 21. Mai 2021



Kleine Tulpe

Harte Action um fünf Waisenkinder

Für das Aussetzen von Babys gibt es im Waisenhaus "Kleine Tulpe" in Amsterdam drei herzlose Regeln. Erstens: Das Baby muss in ein Baumwolltuch gewickelt sein. Zweitens: Das Baby muss in einem Weidenkorb liegen. Drittens: Der Korb mit dem Baby muss auf der oberen Stufe der Eingangstreppe stehen. Die Leiterin des Waisenhauses hat dieses Procedere festgelegt, das lässt einiges befürchten. Etwa, dass sie selbst ihre Mildtätigkeit und Fürsorge wohl weit vor der Eingangstreppe abgestellt hat. Und dass der Alltag der Kinder, die dort leben müssen, alles andere als rosig sein dürfte.

Autorin Hana Tooke hat die fiktive "Kleine Tulpe" zum Ausgangsort ihres Kinderbuchs "Die elternlosen Erlebnisse der unzertrennlichen Fünf" gemacht. Und sie hat sich einen historischen Zeitpunkt für ihre Geschichte ausgesucht: Im Herbst 1880 werden dort fünf Babys ausgesetzt, allesamt regelwidrig. Als Letzte taucht Milou auf, abgestellt auf dem Dachboden des Hauses in einem sargförmigen Korb, in der Faust eine edle Marionette.

Milou ist die Erzählerin von Tookes Roman. Mit Beginn der Handlung ist das Mädchen bereits zwölf, es glaubt fest, dass seine Eltern es eines Tages abholen werden. Warum Milou zurückgelassen wurde, dafür hat sie allerlei Geschichten erdacht - die "Heimliche Spione-Theorie" oder die "Baby-Phobie-Theorie". Sie ist eine begabte Geschichtenerzählerin, ihre vier besten Freunde - die anderen Babys von 1880 - besitzen ebenfalls besondere Talente, jenseits der üblichen Genderklischees: So ist Lotta ein naturwissenschaftliches Genie, Mads ein Zeichentalent, Mona eine Köchin und Gisbert, das soziale Herz der Gruppe, ein Schneiderkünstler. Als eines Tages ein dubioser Kaufmann auftaucht, der sie alle adoptieren möchte, fliehen die Kinder und begeben sich auf die Suche nach Milous Zuhause.

"Die elternlosen Erlebnisse der unzertrennlichen Fünf" ist ein Abenteuerroman, nichts für Zartbesaitete. Die Waisenkinder sind auf sich gestellt. Erwachsene erleben sie als Bedrohung. Sie werden eingesperrt, mit dem Tode bedroht, sie hungern. Stets meistern sie die Situation mit Mut, Fantasie und Zusammenhalt. Sie sind längst das geworden, was sie suchen: eine Familie. Tooke weiß das prächtig zu erzählen, balanciert geschickt zwischen Spannungselementen und jenen Passagen, in denen die Kinder sich eine Welt erschaffen, wie sie ihnen gefällt. Und diese Welt ist natürlich eine fabelhafte. (ab 10 Jahre)

Hana Tooke: Die elternlosen Erlebnisse der unzertrennlichen Fünf. Mit Illustrationen von Ayesha L. Rubio. Aus dem Englischen von Birgit Niehaus. dvt junior, München 2021. 384 Seiten, 14,95 Euro

Quelle: Yvonne Poppek, SZ, 9. April 2021

Trauen wir uns, Mensch zu sein?

Von "Unterleuten" zu "Über Menschen" - Juli Zehs neuster Roman für große Leute.

Zehs neuer großer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart und den Menschen, die sie hervorbringt. Von ihren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten. Und von ihren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn sie sich trauen, Mensch zu sein.

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie musste dringend raus aus der Stadt, auch wenn sie nicht genau weiß, wovor sie auf der Flucht ist. Großstadt, Lockdown, stressiger Job, ein übereifriger Freund, dazu Donald Trump, Brexit und Rechtspopulismus - wann ist die Welt eigentlich dermaßen durchenander geraten? Dass Bracken, dieses kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht die ländliche Idylle ist von der manche Städter träumen, war Dora klar. Alle haben sie vor der Provinz gewarnt. Jetzt sitzt sie trotzdem hier, in einem alten Haus auf einem verwilderten Grundstück, mit einem kahlrasierten Nachbarn hinter der Gartenmauer, der sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Doch dann passieren Dinge, die ihr Weltbild ins Wanken bringen. Sie trifft auf Menschen, die in kein Raster passen, und steht vor einer Herausforderung, die Antwort auf die große Frage verlangt, worauf es im Leben eigentlich ankommt.

Luchterhand, München 2021. 412 Seiten. 22 Euro

Möhren und Gefühl

Pferdesprache leicht gemacht: Juli Zeh erzählt von einer Liebe zwischen Reiterin und Pony. Ein Juli-Zeh-Roman für jüngere Leute.

Pferdegeschichten sind Heldengeschichten, nur erzählen sie im Unterschied zu, sagen wir, der Odyssee nicht die Reise eines einzelnen Helden, also meist einer Heldin, sondern ein doppeltes Abenteuer. Schließlich durchläuft ja auch das Pferd einen wichtigen Reife- und Erkenntnisprozess. in Juli Zehs Roman "Socke und Sophie" ist dies ein anfangs herzzerreißend vernachlässigtes Pony, das dank der Begegnung mit der zwölfjährigen Sophie zum tiefenentspannten Vorzeige-Schulpferd heranwächst. Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die in Büchern und Filmen von "Black Beauty" bis "Ostwind" oft erzählt wurde, allerdings immer ein gewisses Risiko birgt. Reicht es wirklich, ein Pferd sehr zu lieben, um wie in "Ostwind" ohne Sattel und Zügel über ein stehendes Auto zu springen? Ist Seelenverwandtschaft - es geht immer um Seelenverwandtschaft - ein guter Ersatz für Biologiekenntnisse?

Juli Zeh lebt mit ihrer Familie und vier Pferden bei Berlin und hat vor Kurzem bereits eine "Gebrauchsanweisung für Pferde" geschrieben, die sich an Erwachsene richtet. "Socke und Sophie" ist eine literarische Fortsetzung für Mädchen. Es enthält alle klassischen Motive: Socke kommt auf den Michaelis-Hof, er wurde schlecht behandelt und lässt sich kaum anfassen, geschweige denn reiten. Damit er nicht entsorgt wird, soll Sophie ihn betreuen, was sie mit Hilfe einer Pferdeflüsterin namens Frau Vanderbilt allerdings so erfolgreich tut, dass Sockes Verkauf droht. Es gibt einen blendend aussehenden Springreiter namens Benno, der neben der großen Liebe von Socke und Sophie natürlich nur die zweite Geige spielt, ein Sportpferd namens Satellit, das klingt wie ein Gangster-Rapper ("Neu hier, was? Tighter Shit."), und Sophies Bruder, der Fußball spielt und nervt. Man verrät an dieser Stelle nicht zu viel, wenn man andeutet, dass sich am Ende alles zum Besten wendet.

Aber Sophie, das ist das Gute an Juli Zehs Buch, gewinnt das Vertrauen und damit das Herz ihres Ponys nicht nur durch Möhren und Gefühl, sie eignet sich außerdem in Blitzgeschwindigkeit wichtiges Pferdewissen an: Wie begrüßt man ein Pony? Warum fürchten sich Pferde vor so vielem? Was sollten sie fressen? Warum ist Kraulen besser als Klopfen? Das ist besonders überzeugend, wenn Juli Zeh auch die Pferde zu Wort kommen lässt, beispielsweise wenn Socke überzeugend den Fluchtreflex erklärt: "Jeder von uns besteht aus mehreren Hundert Kilo Fleisch, wir sind quasi wandelnde Frikadellen in einer Welt voller Fleischfresser!"

Manchmal entkommt Juli Zeh nicht der Versuchung, die Pferde zu vermenschlichen. Aber der Ponyhof als Bildungsanstalt - das sollte als literarisches Genre unbedingt ausgebaut werden. (ab 10 Jahre)

Juli Zeh: Socke und Sophie - Pferdesprache leicht gemacht. Mit vierfarbigen Illustrationen von Flix. dtv Junior, München 2021. 240 Seiten, 14.95 Euro

Quelle: Sonja Zekri, SZ, 26. März 2021

Die undankbare Nation

Harriet Tubman rettet sich und viele andere aus der Sklaverei

Es gibt sie noch: die bebilderten, für Gemüt und Verstand verfassten Erklärungsbücher für Jugendliche und - wie sich bei der Lektüre erweist - auch für Erwachsene. Die Rezensentin gibt zu, die ersten paar Seiten des Buchs von Fleur Daugey, "Freiheit" mit gewissen Vorbehalten betrachtet zu haben. Der erste Vorbehalt: Oha, hier soll politisch korrektes Denken Jugendlichen pädagogisch eingebimst werden. Weit gefehlt! Das Buch erzählt knapp und anschaulich, und von Oliver Charpentier gut bebildert, anhand der Vita von Harriet Tubman vieles, was auch Erwachsene über die Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika noch nicht wissen.

Harriet Tubman kam in der ersten Hälfte der 1820er Jahre in den Südstaaten von Amerika zur Welt, als Kind einer Sklavin. Schon im Alter von fünf Jahren wurde sie an Nachbarn zum Arbeiten "ausgeliehen". Wenn ihre Herrschaft mit ihr sprach, so geschah es in brüllendem Ton. Sie wurde geschlagen. Sie war nichts wert. Als sie älter wurde, wollte sie nicht mehr so behandelt werden. Sie floh. Sie war gottesgläubig und meinte, Gott stehe auf ihrer Seite. Auf ihrer Seite, im Diesseits - praktischerweise - standen vor allem die Quäker, die bei der Flucht in die Nordstaaten halfen. Von dort aus half nun sie in den folgenden Jahren vielen anderen Sklaven bei der Flucht aus den Südstaaten. Während des Bürgerkriegs zwischen den Nord- und den Südstaaten (1861 bis 1865) arbeitete sie neben ihrer Hilfe für Verletzte sogar als Spionin. Und beklagte sich später, im Alter: "Obwohl ich während des Sezessionskriegs als Krankenschwester und Kämpferin gedient habe, ist es mir nie gelungen, die Pension zu erhalten, die den Kriegsteilnehmern zusteht. Das Schreiben und Dokumente , die ich vorgelegt habe, um meinen Einsatz zu belegen, waren nie hinreichend. Die amerikanische Nation ist ziemlich undankbar." Bis zu ihrem Tod 1913 erhielt sie keine staatliche Unterstützung.

Das Leben der Harriet Tubman ist beispielhaft. Es ist in diesem Buch einfühlsam erzählt. Daneben finden sich gute Erklärungen dazu, wie Sklaverei in den USA funktionierte. Ehen waren selbstverständlich gern gesehn: Die Ehepartner hatten weniger Anlass zur Flucht. Die Ehe galt aber nicht vor dem Gesetz: Einen Ehepartner zu verkaufen war legal, war legitim, war üblich. Die Sklaven ordentlich ernähren, das galt als vernünftig, weil sie ausgemergelt schlecht arbeiteten. Lesen lernen: nichts für Sklaven, Bildung macht aufmüpfig.

Unter Barack Obama sollte der 20-Dollar-Schein auf der Vorderseite mit dem Bild von Harriet Tubman versehen werden. Donald Trump hat das verhindert. Bis 2026 wird der Sklavenhalter und Ureinwohner-Mörder Präsident Andrew Jackson auf der Vorderseite des 20-Dollar-Scheins bleiben. Das Buch von Fleur Daugey über das Leben von Harriet Tubman kann man jetzt schon lesen. (ab 12 Jahre)

Fleur Daugey: Freiheit. Harriet Tubman, eine amerikanische Heldin. Mit Illustrationen von Oliver Charpentier. Aus dem Französischen von Edmund Jacoby. Jacoby & Stuart Verlag, Berlin 2020. 54 Seiten, 16 Euro

Quelle: Franziska Augstein, SZ, 26. März 2021

Nominierungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2021

KINDERBUCH

  • Anke Kuhl: Manno! Alles genau so in echt passiert. Klett Kinderbuch (ab 8)
  • Ayse Bosse (Text) / Ceylan Beyoglu (Illustration): Pembo - Halb und halb macht doppelt glücklich! Carsen (ab 9)
  • Timothée de Fombelle (Text) / Isabelle Arsenault (Illustration): Rosalie. Als mein Vater im Krieg war. Aus dem Französischen von Sabine Grebing und Tobias Scheffel. Gerstenberg (ab 9)
  • Marianne Kaurin: Irgendwo ist immer Süden. Aus dem Norwegischen von Franziska Hüther. Woow Books (ab 10)
  • Anna Woltz: Haifischzähne. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Carlsen (ab 10)
  • Susin Nielsen: Adresse unbekannt. Aus dem Englischen von Anja Herre. Urachhaus (ab 11)

JUGENDBUCH

  • Jurga Vile (Text) / Lina Itagaki (Illustration): Sibiro Haiku. Aus dem Litauischen von Saskia Drude. Baobab Books (ab 13)
  • Tamara Bach: Sankt Irgendwas. Carlsen (ab 14)
  • Grit Poppe: Verraten. Dressler (ab 14)
  • Elisabeth Steinkellner (Text) / Anna Gusella (Illustration): Papierklavier. Belz & Gelberg (ab 14)
  • Wilma Geldof: Reden ist Verrat. Nach der wahren Geschichte der Freddie Oversteegen. Aus dem Niederländischen von Verenea Kiefer. Gerstenberg (ab 15)
  • Thomas Harding (Text) / Florian Toperngpong (Grafik): Future History 2050. Aus dem Englischen von Edmund Jacoby. Jacoby & Stuart (ab 15)

JUGENDJURY

  • Lutz van Dijk: Kampala - Hamburg. Querverlag (ab 13)
  • Jean-Claude Grumberg (Text) / Ulrike Möltgen (Illustration): Das kostbarste aller Güter. Aus dem französischen von Edmund Jacoby. Jacoby & Stuart (ab 13)
  • Alan Gratz: Vor uns das Meer. Aus dem Englischen von Meritxell Janina Piel. Hanser (ab 14)
  • Will Hill: After the Fire. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle (ab 14)
  • Kyrie McCauley: You are (not) safe here. Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn. dvd (ab 14)
  • George Takei, Justin Eisinger, Steven Scott (Text) / Harmony Becker (Illustration): They called us enemy. Eine Kindheit im Internierungslager. Aus dem Englischen von Christian Langhagen. Cross Cul (ab 14)

Auszug aus Nominierungsliste. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 26. März 2021