Von der Höheren Bürgerschule bis zum Christian-Gottfried-Ehrenberg-Gymnasium

Die Entwicklung einer Delitzscher Schule über 150 Jahre (von 1858 bis 2008)

Autor: Herr Klaus-Jochen Krüger (Schulleiter im Zeitraum von 1992 bis 2007)
Herr Klaus-Jochen Krüger bei der Signierung von 50 Plakaten anlässlich des 150-jährigen Schuljubiläums am 01.04.2008 (Foto: Ines Wenzlaff)

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Inhalt

Vorwort

Im eigentlichen Sinn handelt es sich bei diesen Aufzeichnungen nicht um eine Schulchronik, d. h. um die fortlaufende Aufzeichnung der Ereignisse und Gegebenheiten in dieser Schule aus der entsprechenden Zeit in dieser Zeit gefertigt. Eine solche Chronik existiert leider nicht, wohl auch den Umständen geschuldet, dass Schule auch beeinflusst wird vom gesellschaftlichen Umfeld und dass die Turbulenzen damit verbundener Ereignisse manche Dinge existenzieller erscheinen lassen, als sich der Aufgabe zu widmen, auch deren Einfluss auf die Schule chronolisch festzuhalten. Besondere Lücken in den Aufzeichnungen traten deshalb auch während der beiden Weltkriege und den ersten Jahren danach auf.

Die Gründlichkeit von überlieferten Daten war aber auch abhängig von der Unnachgiebigkeit der übergeordneten Behörde in der Durchsetzung des Erstellens von Schulberichten, die in Broschürenform alle die Schule betreffenden Fakten enthielten und eine der besten Quellen bei der Erstellung dieser Betrachtungen waren und insgesamt für gewisse Zeitabschnitte als Chronik angesehen werden können.

So wird diese „Chronik“ ein Blick zurück sein auf die 150 Jahre einer Schule in der Kleinstadt Delitzsch aus der Betrachtungsweise des Verfassers, der auf der einen Seite gezwungen ist, aus einer Vielzahl von Material heraus objektive Schwerpunkte zu setzen, dem man auf der anderen Seite aus seiner Verbindung zu dieser Schule auch subjektive Einflüsse nicht absprechen kann. So steht zwar das Bemühen, in der Chronologie zu bleiben, aber bei Querverbindungen und dem Herstellen von übergreifenden Bezügen diese eben auch wieder verlassen zu müssen.

Die Struktur betreffend wurde entschieden, die „Chronik“ in einer auf das Wesentliche aus Sicht des Verfassers konzentrierte meist chronologische Abhandlung in mehreren Kapiteln (preußisches Königreich/deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik,...) zu fassen, begleitet von einer Anzahl Anlagen, die meist auch besonders von persönlichem Interesse des Lesers sein werden (Lehrer der Schule, Abiturienten der Schule, Schulausstattung, Lehrpläne,...).

Zu bemerken ist, dass während des bevorstehenden Jubiläums Teile der Chronik schon veröffentlicht werden, diese aber noch weiter bearbeitet und ergänzt werden. Dabei sind wir für Korrekturen, Material und Hinweise dankbar.

Besonderer Dank gilt dem Kunstlehrer der Schule, Herrn Eike Wiewiorra, der in zeitaufwendiger Arbeit für eine Veröffentlichung in würdiger Form sorgte und sorgt.

Dank gilt auch den Mitarbeitern des Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Abteilung Merseburg, die Einblick in eine Vielzahl von Unterlagen gewährten, sowie Herrn Freiberg vom Stadtarchiv Delitzsch, der insbesondere Veröffentlichungen aus alten Delitzscher Zeitungen zur Verfügung stellte.

Die Schule im Königreich Preußen

Gründung der Schule

Zunächst soll kurz über einige historische Hintergründe informiert werden.

1815 kam im Ergebnis des Wiener Kongresses Nordsachsen als Provinz zum Königreich Preußen. Das hatte zur Folge, dass auch Delitzsch in den Reformprozess des preußischen Schulwesens einbezogen wurde, der insbesondere durch Wilhelm von Humboldt mit der Errichtung von Gymnasien begann und sich verstärkt nach 1848 fortsetzte. Dabei spielten die Realschulen eine besondere Rolle, da sie mit ihren Bildungsangeboten den Erfordernissen der sich immens entwickelnden Wirtschaft und den entstehenden Verwaltungen am besten gerecht wurden.

So entstand auch in der Delitzscher Bürgerschaft das Bedürfnis, eine solche höhere Bürgerschule schrittweise aufzubauen. Am 12. Juli 1850 richteten 138 Bürger der Stadt ein Gesuch zur Errichtung einer „Realschule“ an den Magistrat der Stadt. Dieser nahm den Plan auf, sah aber erhebliche Schwierigkeiten in einem geeigneten Schulgebäude. Die Stadtverordnetenversammlung „ist eindeutig dafür, alles aufzubieten, damit das Projekt zu Ausführung gelange“. Ins Auge gefasst wurden die damals freistehenden oberen Räume des Königlichen Schlosses, in der Hoffnung, diese unentgeltlich von der Regierung zur Verfügung gestellt zu bekommen. Aber sowohl bezüglich der Nutzung der Schloßräume als auch der Errichtung der „Realschule" kam eine Absage. An eine solche Schule, die dem Bildungsbedürfnissen von nur verhältnismäßig wenigen Schülern entspreche, kann erst dann gedacht werden, wenn für das Volksschulwesen genügend gesorgt sei. Auch waren die geforderten Mittel, die bereitgestellt werden mussten, so hoch, dass die Stadt sie ohne größere Forderungen an ihre Bürger nicht aufbringen konnte. Der Plan wurde also zunächst fallen gelassen.

Bürgermeister Karl Hagedorn, dem die Bildungsforderungen der Bürger seiner Stadt sehr am Herzen lagen nahm den Gedanken aber bald wieder auf und band ihn in eine Gesamtkonzeption der Schulen in Delitzsch ein. Diese sah folgende Einrichtungen vor:

  1. Höhere Bürgerschule für Knaben
  2. Bürgerschule für Knaben
  3. Höhere Bürgerschule für Mädchen
  4. Bürgerschule für Mädchen
  5. Elementar- und Vorbereitungsschule für Knaben und Mädchen
  6. Armenschule

Dieser Reorganisationsplan für das Schulwesen der Stadt wurde am 1. März 1853 durch den Magistrat gebilligt. Die Stadtverordneten lehnten allerdings ab, da sie die Kosten wesentlich höher einschätzten als der Magistrat .Besonders betraf das den Plan der Errichtung einer Realschule. Auch in den folgenden Jahren kam es zu keiner Bewilligung und die Regierung begann nachdrücklicher die Beseitigung von Mängeln im Delitzscher Schulwesen zu verlangen.

Wieder war es Hagedorn, der 1857 zwei Pläne vorlegte, deren einer einen Schulneubau vorsah. Dabei betonte er: “Ich habe nun schon soviel vergeblich gearbeitet, um unserem Schulwesen eine bessere Gestalt zu geben; möge nicht auch diese Arbeit wieder vergebens sein.“

Einige Details der Überlegungen sollen hier exemplarisch aufgeführt werden. Die 8 Klassen der beiden höheren Schulen sollten von 9 Lehrern unterrichtet werden. Das Schulgeld sollte beträchtlich erhöht werden und 4, 8, 12 und 18 Taler je nach Klassenstufe betragen. Es wurde letztendlich sogar in den unteren Klassen noch höher festgesetzt. Das Schulgeld sollte die Lehrerbesoldung ungefähr decken. Diese war festgelegt mit 600 Talern (einschließlich Dienstwohnung) für den Rektor, der auch für die anderen Schulen der Stadt zuständig war, sowie 400 Talern (einschließlich Dienstwohnung) für den 1. Lehrer dann weiter gestaffelt 375, 350, 325 300, 300, 250, 200 Taler. Später schlug der Magistrat der Regierung in Merseburg eine nach Dienstjahren gestaffelte Besoldung vor.

Das neue Schulgebäude sollte auf dem Bleichplatz am Gerberplan errichtet werden, die Finanzierung über die Aufnahme einer Gemeindeschuld bei der Sparkasse erfolgen. Auch an den Bau einer Turnhalle auf dem Gelände hatte Hagedorn schon gedacht. Dieser Plan ist allerdings bis heute nicht realisiert. Diesmal bewilligten alle Gremien den Plan. Für eine Stadt, die damals nur 5901 Einwohner zählte, von denen 1186 auf die selbständige Vorstadtgemeinde Grünstraße entfielen, war die Gründung einer höheren Schule eine gewaltige Leistung.

Grundsteinlegung

Die feierliche Grundsteinlegung fand am 21.September 1857 statt. Als Rektor wurde der Gymnasiallehrer Karl Franz Giesel aus Torgau gewonnen. Im Kreisblatt erging eine Aufforderung an die Bürgerschaft, ihre Söhne zur Aufnahme an die  1. Bürgerschule anzumelden. In dieser wurde das Ziel der Anstalt wie folgt formuliert:

„...die Knaben, wenn sie bis zum 14. oder 15. Lebensjahre die Schule frequentieren, entweder zur Aufnahme in die mittleren Klassen einer höheren Lehranstalt reif zu machen oder sie zum Uebergang in das bürgerliche Leben als Handwerker oder Kaufleute oder Landwirte usw. mit solchen Schulkenntnissen auszurüsten, wie sie für alle diejenigen notwendig sind, welche den Ansprüchen genügen sollen, die die gegenwärtige Zeit an alle diese Stände unbedingt stellt. Es werden deshalb nicht nur die alten Sprachen (Lateinisch , Griechisch) und die neuen Sprachen (Französisch, Englisch) getrieben, sondern es wird auch ganz besonders den Realwissenschaften bedeutende Aufmerksamkeit gewidmet werden.“

Stundentafel

Die Stundentafel enthielt folgende Fächer, aufgeführt in der damaligen Reihenfolge: Religion, Deutsch, Latein, Griechisch, Französisch, Englisch, Geschichte und Erdkunde, Mathematik, Rechnen, Physik, Naturgeschichte sowie Zeichnen. Die Fächer Religion, Deutsch und Latein waren in allen Klassenstufen belegt, Griechisch und Französisch in der Quarta und Tertia, Englisch nur in der Tertia. In der Sexta wurde Geschichte noch nicht unterrichtet sondern nur Erdkunde. Das Fach Rechnen ging dann in der Quarta und Tertia in das Fach Mathematik über, Physik wurde in den beiden Klassen stufenübergreifend unterrichtet, ebenso Zeichnen, das aber schon in der Quinta begann. Ab Quinta war durchgehend das Fach Naturgeschichte zu belegen.

Eine genauere Übersicht befindet sich in der Anlage Stundentafel. Betrachtet man sich die Reihenfolge der Fächer im Vergleich zur heutigen Reihenfolge, so kann man doch gravierende Ähnlichkeiten feststellen, besonders auch mit Blick auf die Fächergruppierung in der Sekundarstufe II. Die Angebote Griechisch und Englisch wurden aber nur von wenigen Schülern genutzt. Auch wurden noch andere Angebote im naturwissenschaftlichen Bereich offeriert. Man wollte damit den Schülern den Weg in die mittleren Klassen eines Gymnasiums oder einer Realschule ebnen. Allerdings ging diese Verzweigung nicht auf, da nur bei wenigen Schülern günstige Ergebnisse erzielt wurden. Man war schließlich gezwungen sich in einer Richtung zu konzentrieren, entweder die gymnasiale oder die reale.

Mit Blick auf die örtlichen Verhältnisse wurde die letztere Variante gewählt, zumal das im Oktober erschienene Reglement für die Neugestaltung der preußischen Realschulen konkrete Vorgaben für das zu erreichende Ziel und den einzuschlagenden Weg machte. Große Unterstützung bei der Umgastaltung fand Rektor Giesel bei dem Lehrer der neueren Sprachen Heinrich Kayser, der 1862 seinen Dienst antrat und später Giesels Nachfolger als Rektor wurde. Den hohen Erwartungen konnte aber zunächst nicht entsprochen werden. Zum einen waren die Schulgeldsätze sehr hoch, dann fehlte der Schule die oberste Klasse (Sekunda) und schließlich damit die Möglichkeit zur Abhaltung von Abgangsprüfungen. Dadurch entwickelte sich auch der Zuzug von außerhalb nicht weiter, der letztlich eine Voraussetzung für eine angemessene Schülerzahl war. Auch fehlte die Stimmung weiter in die Schule zu investieren. Das zeigte sich in der Ablehnung des Baus einer geschlossenen Turnhalle.

Eine eigene Sporthalle hatte die Schule bis Mai 2011 nicht, abgesehen von der kleinen alten Halle auf dem Gelände des Hauses Reime. Diese konnte aber auch erst ab 2005 alleinig durch das Gymnasium genutzt werden und bedarf dringend einer Überholung, den Rektor Giesel beantragt hatte. Lediglich zur Aufstellung einiger Turngeräte auf dem Schulhof entschloss man sich. Schließlich hatte ja inzwischen ein Turnlehrer seinen Dienst aufgenommen. Offensichtlich waren die Stadtoberen der Meinung, mit der Errichtung des neuen Schulgebäudes genug getan zu haben.

Noch höhere und auf Dauer ausgelegte Ausgaben waren für die Stadt mit der Einrichtung der Sekunda zu erwarten. Auf der einen Seite würde diese den Abiturienten den Übergang in die Prima einer Realschule 1. Ordnung ermöglichen, auf der anderen Seite müsste die Stadt dann noch zwei Stellen für akademisch gebildete Lehrer schaffen und die Lehrergehälter drastisch erhöhen. Es galt also Nutzen und Aufwand gegeneinander abzuwägen. Dieser Vorgang war so dramatisch, dass die Zukunft der Schule auf dem Spiel stand. Schließlich wurde der Einrichtung der Sekunda zugestimmt unter der Maßgabe, dass die Stadt jährlich einen Betrag von 1300 Talern aus den Überschüssen der Sparkasse entnehmen durfte. Unter diesen Bedingungen stimmte auch die Regierung zu.

So startete 1863 die erste Sekunda mit 6 Schülern. Im Winter 1864/65 wurde der Antrag auf staatliche Anerkennung der Anstalt und Abhaltung der ersten Abgangsprüfungen gestellt.

Nach den ersten mündlichen Entlassungsprüfungen am 5. Mai 1865 wurde die Anstalt am 10. Juli als „Zur Abhaltung von Abiturienten-Prüfungen berechtigte höhere Bürgerschule“ anerkannt. Die ersten beiden Abiturienten waren im Jahr 1865 Adolf Pöschmann, Sohn des Fleischermeisters Pöschmann und Adolf Thormann, Sohn des Mühlenbesitzers Thormann. Zum Zeitpunkt der Antragstellung hatte die Schule folgende Struktur:

  • 127 Schüler
  • Sekunda 6, Tertia 14, Quarta 34, Quinta 31, Sexta 42
  • Vorschule mit zweijährigem Kurs
  • Lehrpersonal: Rektor, 4 akademisch gebildete Lehrer, 2 Elementarlehrer
  • Gehälter: 800 Tlr., 550 Tlr., 500 Tlr., 450 Tlr., 400 Tlr., 325 Tlr. Und 300 Taler
  • Einnahmen aus Schulgeld: 1445 Taler und 10 Silbergroschen
  • Städtischer Zuschuss: 1950 Taler

Mit der bestandenen Abiturientenprüfung wurden folgende Berechtigungen erworben:

  • Aufnahme in die Prima einer vollständigen Realschule
  • Recht auf Zulassung zum einjährigen freiwilligen Militärdienst
  • Zulassung zum Studium der Tierheilkunde als Civileleve der Königlichen Tierarzneischule in Berlin
  • Befähigung zum Bürodienst bei der Bergwerksverwaltung
  • Befähigung zur Annahme als Post-Expedientenanwärter

Durch die Einrichtung der Sekunda nahm der Zuzug aus der Umgebung der Stadt spürbar zu, damit auch die Einnahmen aus dem Schulgeld, so dass der weiteren Entwicklung der Schule positiv entgegen gesehen werden konnte und die Bedenkenträger zunehmend verstummten.

Die weitere Entwicklung der Schule bis zur Oberrealschule

Die nächste Zielstellung war die Einrichtung einer Prima. Diese war zunächst für Ostern 1868 geplant und durch eine Petition von 77 Bürgern der Stadt erbeten worden. Die finanzielle Grundlage der Erweiterung sollte mit 12500 Talern aus den Überschuss des Reservefonds der Sparkasse als Dotationsfonds geschaffen werden. Durch den Weggang des Rektor Giesel 1868 wagte man sich aber nicht gleich an diesen Schritt sondern stellte ihn für Ostern 1878 in Aussicht (Die Unterprima wurde erstmals 1907 unterrichtet, die Oberprima folgte 1908.). Zunächst wurden nach einer gründlichen Revision der Schule am 17.4.1868 die Klassen Sexta bis Sekunda den Realschulen 1. Ordnung gleichgestellt.

Die Stadt war damit gefordert, die Lehrergehälter bei der Neubesetzung von Lehrerstellen zu erhöhen, den, den Unterrichtsmitteletat von jährlich 110 Talern auf 200 Taler aufzustocken, der Lehrerbibliothek einen einmaligen Zuschuss von 250 Talern zukommen zu lassen und einen besonderen Zeichensaal mit plastischen Modellen einzurichten. Außerdem hatte die Stadt die Zahlung der Beiträge der Lehrer in den Pensionsfond zu übernehmen. Die Vereinigung des Rektorats aller Delitzscher Schulen in einer Person wurde nicht mehr gestattet. Der Rektor der Höheren Bürgerschule hatte zusätzlich nur noch die Vorschule mit zu betreuen, die in zwei Klassen, wobei die ersten einen Zweijahreskurs durchlief, auf die höhere Schule vorbereitete.

Die räumlichen Bedingungen verbesserten sich 1871 nach der Fertigstellung des Neubaus der Knaben-Volksschule in der Bitterfelder Straße. Dorthin zogen die vier Elementarklassen um, die bisher die größten Räume in Anspruch nahmen, so dass die Einrichtung 1872 über folgende Räume verfügte: 5 Klassenräume für die Hauptanstalt, 2 Klassenräume für die Vorschule, Festsaal, Zeichensaal, physikalisches Laboratorium, Sammlungszimmer, Lehrerzimmer, Bibliothekszimmer. So stellte sich die Schule ab 1872 als in sich geschlossen dar, die Einrichtung einer Prima und damit die Aufwertung der Schule in eine Realschule 1. Ordnung oder auch die gelegentlich angedachte Umwandlung der Schule in ein Gymnasium scheiterten an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt, zumal auch die Erhöhung des Dotationsfonds ab 1869 unterblieb.

Die Schule trug nun ab Ostern 1868 die Bezeichnung „Zur Abhaltung von Abiturienten-Prüfungen und den Realschulen erster Ordnung in den entsprechenden Klassen gleichgestellte höhere Bürgerschule“. Neben den bisherigen Möglichkeiten der schulischen sowie beruflichen Weiterentwicklung der Abiturienten wurde den Schülern, die die Sekunda nach einjährigem Besuch ohne Prüfung verließen, die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst und zur Annahme als Postexpedienten-Anwärter erteilt.

Für die Aufnahme in die unterste Klasse, die Sexta, gab es die Empfehlung, dass das beste Alter das vollendete 9. Oder 10. Lebensjahr sei. Die erforderlichen elementaren Kenntnisse und Fertigkeiten zur Aufnahme in die Sexta waren: „Geläufigkeit im Lesen deutscher und lateinischer Druckschrift; eine leserliche und reinliche Handschrift; Fertigkeit, Diktiertes ohne grobe ortographische Fehler nachzuschreiben; Sicherheit in den vier Grundrechenarten mit gleichbenannten Zahlen. In der Religion wird einige Bekanntschaft mit den Geschichten des Alten und Neuen Testaments, sowie (bei den evangelischen Schülern) mit Bibelsprüchen und Liederversen erfordert.“

Schulberichte

Im Folgenden sollen nun einige Ausführungen zum Schulalltag und zur Organisation der Schule in dieser Zeit gemacht werden. Grundlage dafür sind die Schulberichte, die der Rektor ab dem Schuljahr 1864/65 jeweils zu Ostern zum Ende des Schuljahres erstellte und die unter dem Namen Programm der Schule veröffentlicht wurden. Diese enthielten im Wesentlichen folgende Punkte:

  • Lehrverfassung (Lehrplan, Stundentafel, Verteilung der Lehrfächer unter die Lehrer)
  • Verfügungen der Königlichen Behörden und der Stadt
  • Chronik der Schule (mit den Aufgabenstellungen der schriftlichen Abiturprüfungen)
  • Schülerverzeichnis und Abgänger
  • Lehrmittel (Bestand, Spenden, Anschaffungen)
  • Mitteilungen (Termine der Zensuren- und Versetzungskonferenz, der öffentlichen mündlichen Abiturprüfungen und der öffentlichen Aufnahmeprüfungen)

Vorangestellt war oft die Abhandlung eines Lehrers zu einem selbst gewählten Thema. In den ersten beiden Jahren durch den Rektor Giesel selbst, 1865 zum Thema „Lösung von Differentialgleichungen“ abgefasst in lateinischer Sprache und 1866 über „Die Entstehung des Newton – Leibniz`schen Prioritaetsstreites hinsichtlich der Erfindung der Infinitesimalrechnung“ (Eine Gesamtübersicht über die Themen der Abhandlungen und deren Verfasser befindet sich hier).

Das Programm bot der Öffentlichkeit eine Orientierung über die Aufgabenstellung, Anforderungen und das Leistungsniveau der Schule. Besonders auch diese Abhandlungen gaben einen Einblick in fachliche Qualifikation des Lehrpersonals. 1866/67 war erstmals die Tagesordnung der Schüler, sowie die Verteilung der von den Lehrern zu korrigierenden schriftlichen Arbeiten auf die Tage und Wochen veröffentlicht.

Hier einige Auszüge aus beiden:

Tagesordnung:
Sommerhalbjahr: An den Wochentagen früh von 5 – 6 ½ Uhr Arbeitszeit, von 7 – 11 Uhr Schulunterricht, von 11 – 12 Uhr Arbeitszeit, von 12 – 2 Uhr Freizeit, von 2 – 4 resp. 5 Uhr nachmittags Schulunterricht, von 4 – 7 Uhr Freizeit, von 7 – 9 Uhr Arbeitszeit ... Im Weiteren sind einige Abweichungen für Sonnabend, Sonntag (Arbeitszeit und Kirchenbesuch) und einzelne Wochentage sowie das Winterhalbjahr betreffend aufgeführt. Man konnte also damals schon von einer Ganztagsschule sprechen, obwohl der Begriff nicht explizit verwendet wurde.

Schriftliche Arbeiten (Beispiel Tertia)    
 
Tag der Aufgabe
der Arbeit
Tag der Abgabe
der Arbeit
Deutsch Jede 3. Woche des Monats ein Aufsatz
Sonnabend der 2. Woche
Montag der 4. Woche
Lateinisch Jede 1. und 3. Woche des Monats ein Exercitium
Montag
Donnerstag
Französisch Jede 2. und 4. Woche des Monats ein Exercitium
Donnerstag
Dienstag
Englisch Jede 1. und 3. Woche des Monats ein Exercitium
Freitag
Sonnabend
Mathematik Jede 2. und 4. Woche des Monats eine Arbeit
Freitag
Donnerstag

Außerdem wurden unter der Rubrik besondere Ereignisse im Schuljahr aufgeführt, zum Beispiel 1867/68:

  • 3. Juli nach Beendigung des Vormittagsunterrichts: Feier zur Erinnerung an die Schlacht bei Königgrätz
  • 27. August: Allgemeiner Schulspaziergang nach der Goitzsche, auch in diesem Jahre für Lehrer und Schüler ein Tag voller Freude und Erquickung
  • 31. Oktober: Feier des 350jährigen Jubiläums der Reformation und des 50jährigen Jubiläums der Gründung der Union. Die Schule nahm an dem Festzuge zur Kirche und an dem Festgottesdienste teil, nachdem die Schüler am Tage zuvor auf die Bedeutung des Festes hingewiesen waren (Weitere solcher Beispiele werden später an der entsprechenden Stellen eingefügt.).

Am 11. November 1866 wurde im Rahmen des Friedensfestes vor der Schule eine Friedenseiche gepflanzt.

Wie schon bemerkt, verließ der Rektor Giesel zu Ostern 1868 Delitzsch, um die Rektorenstelle des Progymnasiums in Leer zu übernehmen. Der Oberlehrer Heinrich Kayser übernahm nun die Leitung der Schule. Bei der Weiterentwicklung der Schule hatte er aber zunächst einen schweren Stand, waren doch die Vertreter der Stadt mit dem bisher Erreichten sehr zufrieden. Zum anderen scheiterten die Überlegungen immer wieder an den finaziellen Gegebenheiten. Besonders die Vergabe weiterer Berechtigungen für die berufliche Entwicklung der Schüler war immer wieder an einen höheren Status der Schule und die damit verbundene Erhöhung der Lehrergehälter wie auch der Ausstattung an Unterrichtsmitteln gebunden. Die Zahl der Abiturienten hielt sich auch in bescheidenen Grenzen.

Der Zulassung der Abiturienten der Realschulen 1. Ordnung zum Studium der neueren Fremdsprachen, der Mathematik und der Naturwissenschaften, die nach Einrichtung einer Prima an der Schule möglich wären, entgegnete die Stadt mit den drei Freistellen, die sie für Schüler an der Landesschule Pforta (Die Landesschule Pforta befindet sich in der Nähe von Naumburg und ist auch gegenwärtig noch als Landesschule von Sachsen-Anhalt eingerichtet. Einer der Freiplätze wurde seinerzeit Christian Gottfried Ehrenberg von der Stadt zur Verfügung gestellt.)zur Verfügung hatte. So wurde die Entwicklung der Schule in ein Progymnasium und der anschließende Ausbau in ein Vollgymnasium erst einmal nicht in Angriff genommen. Die Lehrergehälter wurden nur vereinzelt aufgebessert und der Antrag auf einen Staatszuschuss in Höhe von 1800 Mark wurde durch den Minister abgelehnt. Die vergleichsweise niedrigen Lehrergehälter, die die Stadt zahlte, führte letztendlich zu häufigen Lehrerwechseln, eine Situation, die nicht zufriedenstellen konnte.

Von 1872 an wurde endlich begonnen, den Normalbesoldungsetat für die Lehrer einzuführen allerdings ohne die Wohngeldzuschüsse. Verbunden damit war eine beträchtliche Erhöhung des Schulgeldes im Jahr 1877 um ca. 30 %. 1873 wurde die Schule dem Königlichen Provinzialschul-Kollegium unterstellt, dass für die höheren Schulen zuständig war. Bisher unterstand sie wie die Elementarschulen der Abteilung für Kirchen- und Schulwesen der Königlichen Regierung in Merseburg. Dementsprechend war auch die unmittelbare Schulaufsicht und die Funktion des Stellvertreters der Prüfungskommission für die Abgangsprüfungen dem hiesigen Superintendenten übertragen worden.

Realprogymnasium 1882/83

Ostern 1882 war schließlich ein einschneidendes Datum auch für die Delitzscher höhere Schule. Entsprechend den Lehrplänen und Lehrzielen erhielten alle lateintreibenden Realschulen 1. Ordnung und Höhere Bürgerschulen die Bezeichnung Realgymnasium bzw. Realprogymnasium. Das heißt, dass die Delitzscher Schule ab dem Schuljahr1882/83 die Bezeichnung „Realprogymnasium“ führte. Dies war gerechtfertigt, da dem Latein mehr Stunden eingeräumt waren und der Lehrplan der 3 unteren Klassen dem der Gymnasien völlig entsprach. Dadurch war in diesen Klassen der Wechsel vom Realgymnasium zum Gymnasium und umgekehrt ohne Weiteres möglich.

Allerdings musste die Tertia geteilt werden in die Untertertia und die Obertertia, was für den Kostenträger der Schule zusätzliche Sorgen bedeutete. Die Trennung erfolgte schrittweise in bestimmten Fächern und wurde 1892 abgschlossen. Auch in der Sekunda musste eine Aufspaltung in Untersekunda und Obersekunda erfolgen, da in der Obersekunda statt der Naturbeschreibung Chemie unterrichtet wurde und die Klasse somit in 4 Stunden getrennt werden musste. Räumlich war das unproblematisch, da die Tertien die Räume der Vorschulklassen nutzen konnten und durch die Verlegung der Bibliothek in das Dachgeschoss der zusätzliche Raum für die Sekunda frei wurde. Bedenklicher war es mit den Lehrerstellen und deren Besoldung. So wurde unter anderem eine wissenschftliche Hilfslehrestelle geschaffen, deren Besoldung niedriger lag.

Das bedeutet, dass nach 1882 die Kosten weiterhin stiegen und dem keine zusätzlichen Einnahmen entgegenstanden, da die Schülerzahl relativ konstant blieb und auch staatliche Zuschüsse weiterhin abgelehnt wurden. So ließ das Interesse an der Schule und ihrer Entwicklung allmählich nach und es kam wieder ins Gespräch, die Einrichtung an den Staat abzutreten.

Auch für diesen Abschnitt der Entwicklung soll noch einiges angemerkt werden: Zunächst einige Mitteilungen aus der Chronik des Schuljahres 1870/71:

  • Kurz nach Beginn der Sommerferien wurde Herr Achtert als Reservist zum Heere einberufen und hat von Anfang bis zu Ende am Kriege gegen Frankreich teilgenommen. Seine Stunden wurden von den übrigen Lehrern erteilt.
  • Montag, den 30. Januar, schulfrei aus Veranlassung der Capitulation von Paris, die auch schon am Nachmittag und Abend des vorhergehenden Tages die Schule, in Gemeinschaft mit der Bürgerschaft, gefeiert hatte, zunächst durch gemeinsame Teilnahme an der gottesdienstliche Feier derselben. Anderer Erfolge der vaterländische Waffen freute sich die Anstalt in engerem Kreise.
  • Am 3. März, dem Tage der Wahl zum deutschen Reichstage, fiel der Nachmittagsunterricht ebenfalls aus, da an diesem Tage das Telegramm Sr. Majestät des Kaisers und Königs über die Ratifikation des Friedensschlusses hier bekannt wurde. Sonst pflegt an den Tagen der Wahl zum Reichstage kein Teil des Unterrichts auszufallen.


Auch die materielle Ausstattung der Schule wurde schrittweise verbessert. So wurden zum Beispiel für das physikalisch-chemische Kabinett im Schuljahr 1876/77 folgende Geräte angeschafft: Eine Influenzmaschine mit Zubehör, ein Wasserhammer, ein galvanoplastischer Apparat, ein elektromagnetischer Bewegungsapparat, drei Geißlersche Röhren, ein Thermometer nach Celsius (Die Celsiustemperaturskala wurde erst im Jahre 1902 für den Unterricht als verbindlich erklärt.), eine Leydener Flasche.

Ein Reskript der vorgesetzten Behörde vom 20.Mai 1878 regelte die Bewertung von Verhalten und Leistungen in folgender Weise neu:

Für das Betragen   Für Fleiß und Aufmerksamkeit sowie die Leistungen
Lobenswert   Recht gut
Gut   Gut
Im Ganzen gut   Genügend
Nicht ohne Tadel   Nicht ausreichend
Tadelnswert   Ungenügend

Einige weitere Bemerkungen aus der Chronik des Schuljahres 1878/79: Am Tage der Wahl zum Reichstage, zu welcher die Aula benutzt wurde, fiel der Unterricht von 10 Uhr ab aus. Einer allgemeinen patriotische Feier wegen fiel am 2. September der Unterricht aus. Die Rede bei dem in der Schule stattfindenden Teile der Feier hielt Herr Dr. Rinne. Am 22. März wird in üblicher Weise die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs stattfinden, bei welcher Herr Haacke die Rede halten wird (Beide Ereignisse wurden jährlich in der Schule gefeiert. Ein Lehrer hatte dabei eine Rede zu halten. Meist wurden die Neuzugänge dazu verpflichtet. Bei der Feier am 2. September handelt es sich um die sogenannte Sedansfeier aus Anlass des Sieges des deutschen Heeres in der Schlacht bei Sedan. Später wurde die Feier teilweise mit einem Schulausflug verbunden.).

Das 25-jährige Jubiläum

Am 21. Juni 1883 wurde das 25-jährige Jubiläum der Schule gefeiert. Die Feier fand in einem schlichten Rahmen statt. Unter den Gästen weilte auch der frühere Rektor Professor Giesel. Der Rendant der Stadtsparkasse überreichte eine prächtige Fahne. In seiner Ansprache lobte er die Anhänglichkeit früherer Schüler und würdigte die Verdienste des ehemaligen Bürgermeisters Hagedorn um die Entstehung der Schule, welcher ...

Die Eröffnung des Unterrichts zog sich bis zur Fertigstellung des Gebäudes hin und erfolgte in einer feierlichen Veranstaltung in der ebenfalls der neue Rektor und einige neue Lehrer eingeführt wurden. Näheres dazu ist in der Stadtchronik unter dem Jahr 1858 zu finden.

... „durch Fassen und Ausführen dieses Gedankens ebensoviel Mut und Tatkraft als Scharfblick und Wohlwollen bewiesen habe und dem es leider nicht vergönnt gewesen sei zu erleben, wie mannigfaltiges Widerstreben gegen dieses sein Werk sich allmählich in allgemeine und freudige Zustimmung gewandelt habe und der Dank der Bürgerschaft für seine Schöpfung von Jahr zu Jahr wärmer geworden sei“.

Auf dem Schützenplatz fanden bis gegen Abend ein Konzert und für die jüngeren Schüler Unterhaltungsspiele statt. Am Abend gab es ein geselliges Zusammensein der früheren Schüler und ihrer Gäste.  Zur Übergabe der Fahne schrieb der Lehrer Herr Hanow ein Lied.

Nun hebt mit der Fahne empor auch Hand und Herz
Und Dankes voll wendet die Blicke himmelwärts.
Der uns bis jetzt geführt auf sicherm Pfad,
er helfe gnädig weiter uns mit Rat und Tat

Ihr habt nicht vergessen das edle geist`ge Band,
Das einst auf der Schule Euch alle fest umwand;
Und was Zerstört im Leben auch die Zeit,
Euch blieb die schönste Tugend, die Dankbarkeit.

Des habt Ihr ein Zeichen gar würdig hingestellt,
Daß Liebe und treue wohnen auf der Welt.
Der Fahne folgt mit Augen, Herz und Sinn,
Sie weist zur Lieb` und Treue uns alle hin !

Sie wehet heut zum Feste stolz voran,
Die einig Ihr wandelt auf gleicher Geistesbahn;
Der Fahne denkt im Lebenskampf und Streit,
Sie mahne Euch zum Frieden, zur Einigkeit.

Und ruft Euch die Trommel dereinst vom Vaterhaus,
Dann folgt andern Fahnen zu Kampf und Sieg hinaus,
Wie jetzt den Blick dem Ziele zugewandt,
Kämpft tapfer treu und einig fürs Vaterland.

Verse, die wohl in diese Zeit passen und ihre Wirkung nicht verfehlten, wie später noch festzustellen ist. So konnte die Schule in den nächsten Jahren sich unter der Bezeichnung „Realprogymnasium“ der Ausbildung seiner Schüler widmen. Zu bemerken ist, dass nur ein geringer Teil der in die Sexta aufgenommenen Schüler sich den Abiturprüfungen stellten. Die Abgänge bis zur Sekunda waren doch erheblich. Das hat weniger mit den Leistungen der Schüler zu tun, als vielmehr damit, dass sich die Jugendlichen weit früher als heute üblich einer beruflichen Laufbahn zuwandten, zumal das Schulgeld ja auch nicht unerheblich war und über die Jahre hinweg entsprechend der Forderungen der vorgesetzten Behörde und sicher auch in Übereinstimmung mit dem Schulträger, der Stadt Delitzsch, erhöht wurde.

Bedürftigen und würdigen einheimischen Schülern konnte Schulgeldbefreiung bzw. Schulgeldermäßigung bewilligt werden, doch durften die Bewilligungen vier Prozent des von der Gesamtheit der Schüler zu zahlenden Schulgeldes nicht überschreiten. Ein Kuratorium hatte über die entsprechenden Anträge zu entscheiden.

Lehrpläne & Aufgaben

Die Lehrpläne waren festgeschrieben, Die Abiturthemen und Aufgaben wurden entsprechend den Vorgaben durch die Schule erstellt. Der Prüfungsvorsitzende für die mündlichen Prüfungen wurde durch das Königliche Provinzial-Schulkollegium gestellt. Die Schulausstattung wurde kontinuierlich mit zum Teil unterschiedlichen Schwerpunkten erweitert. Zum Teil erfolgte diese auch durch Spenden ortsansässiger Bürger oder ehemaliger Schüler.

Auszüge aus den Lehrplänen aus dem Jahr 1887 können Sie hier einsehen!

Besonders bei Sachgeschenken würde man aus heutiger Sicht fragen, ob andere Dinge für die Ausbildung der Schüler nicht wichtiger seien, aber aus der damaligen nationalpatriotischen und monarchistischen Grundstimmung heraus erfüllten auch geschenkte Bilder der Kaiser (zum Beispiel im Dreikaiserjahr 1888) die Schule mit Stolz.

Leider gab es in dieser Zeit auch einige Todesfälle zu verzeichnen,insbesondere hervorgerufen durch Krankheiten wie Masern und Diphterie. So verstarb am 8. Januar 1885 der Quintaner Walther Freyberg an Masern. Im Jahre 1899 verstarb der Schüler Ernst Freyberg, der erst 14 Tage Schüler der Anstalt war. Zu seinem Geburtstag, der am 18. Juli gewesen wäre, spendete sein Vater, der Apotheker Freyberg, der Schule 1000 Mark zur Unterstützung bedürftiger Schüler (Siehe auch Spenden zu 50-jährigen Bestehen der Schule.). Daraus wurde dann die Unterstützungsbücherei geschaffen, aus der Lehrbücher an Schüler ausgeliehen wurden, deren Eltern sich deren Anschaffung finaziell nicht leisten konnten. Die vorgesetzt königliche Behörde erließ entsprechende Verordnungen, die beinhalteten, dass erkrankte Schüler bis auf weiteres zu Hause bleiben mussten, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Auch hitzefrei gab es in dieser Zeit schon. So ist im Programm des Schuljahres 1892/93 vermerkt: „Während des Sommersemesters musste der Nachmittagsunterricht bzw. Mittwochs die letzte Vormittagsstunde außergewöhnlich oft übergroßer Hitze wegen ausgesetzt werden.

Im Januar 1893 empfahl das Königliche Schul-Kollegium die Umwadlung der Schule in eine lateinlose Realschule. Das löste in der Stadt kontroverse Diskussionen aus. Einerseits war man der Meinung, dass eine höhere Bildung ohne Latein keinen rechten Wert besitze. Dazu kam, dass trotz staatlicher Zuschüsse auf die Stadt mit der Angleichung der Lehrergehälter an den Normaletat von 1892 weitere Belastungen zugekommen wären. So wäre es wohl das Beste, die Schule eingehen zu lassen. Andererseits vertrat eine Gruppe, wesentlich unterstützt durch den damaligen Rektor Kayser die Meinung, dass der reale Bildungsgang den Bedürfnissen der Schüler der Stadt und des Umfeldes am Besten entsprechen würde.

Man einigte sich schließlich darauf, mit einem lateinischen Nebenkursus bis zur Quarta auch denen zu entsprechen, die weitergehende Bildungsabsichten für ihre Kinder hatten. So wurde die Schule ab dem Schuljahr 1894/95 unter der Bezeichnung „In der Umwandlung zu einer Realschule mit lateinischem Nebenkursus bis Quarta einschließlich begriffenes Realprogymnasium zu Delitzsch“ geführt. Diese Umwandlung war 1900 abgeschlossen.

Die Vorschule wurde 1895 geschlossen. Seit etlichen Jahren war die Schülerzahl dort stark zurückgegangen. Zudem gab es für diese Einrichtung keine staatlichen Zuschüsse und aus eigenen Mitteln war sie nicht zu erhalten. Da dadurch zwei Lehrerstellen frei wurden, brauchten für die Hauptanstalt keine zusätzlichen geschaffen werden. Die Obersekunda musste wieder abgeschafft werden, da bei Nichtvollanstalten die Abschlussprüfungen in der Untersekunda schon zu entsprechenden Abschlüssen führten.

Schuljahr 1899/1900

Ab dem Schuljahr 1899/1900 war die Schule dann eine „Realschule mit lateinischem Nebenkursus bis einschließlich Quarta“. Einige Abschlüsse seien hier aufgeführt: Das Reifezeugnis der Realschule (nach 6 Jahren zu erreichen) berechtigt:

A:   zu einjährig-freiwilligen Militärdienst,
B: 1. zu allen Zweigen des Subalterndienstes mit Ausnahme der Verwaltung der indirekten Steuern (also zum Bürodienst bei der Königl. Berg-, Hütten- und Salinen-, Eisenbahnverwaltung, bei den Gerichten, den Königl. Provinzialbehörden und Bezirksregierungen, zur Zahlmeisterkarriere, zum Intendantursekretariat in der Armee),
  2. zum Marine-Maschinen-Ingenieurfach,
  3. zum Besuch der Königl. Gärtnerlehranstalt bei Potsdam (welche jedoch auch Nachweis der Kenntnisse im Latein bis Quarta verlangt) oder der höheren Gartenbaulehranstalt zu Riehl,
  4. zum Besuch der landwirtschaftlichen Akademien,
  5. zum Eintritt in die Königl. Allgemeine Akademie der bildenden Künste,
  6. zur Anstellung bei der Reichsbank (doch werden in der Regel nur Bewerber mit dem Reifezeugnis von Gymnasien oder Realgymnasien angenommen,
  7. zur Prüfung als Zeichenlehrer an höheren Schulen,
  8. zur Apothekerprüfung, wenn durch eine Prüfung die Reife im Latein für die Obersekunda eines Realgymnasiums nachgewiesen wird.

Im Jahr 1902 findet man noch eine Erweiterung um einen Punkt C in dem unter anderem die Berechtigung zum Eintritt in die Obersekunda einer Oberrealschule oder in eine mittlere Fachschule vermerkt ist.

Interessant ist in diesem Zeitraum noch, dass ab dem Schuljahr 1903/4 die neue Rechtschreibung eingeführt wurde. Professor Kayser, der die Umwandlung in die Wege geleitet hatte, konnte an deren Vollendung nicht mehr teilhaben. Ein schweres Augenleiden machte ihm zu schaffen und er schied Ostern 1898 aus dem Dienst. Im September wurde Herr Dr. Hans Wahle zu seinem Nachfolger berufen.

Der Ausbau der Schule zu einer Vollanstalt, das heißt mit einer Prima, wurde aber weiter in Betracht gezogen. Diesem Ansinnen kam entgegen, dass nach 1901 der Anerkennung der Gleichwertigkeit der von den Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen vermittelten Bildung die entsprechende Erweiterung der Berechtigungen folgte, also auch Oberrealschulabiturienten der Zutritt zu fast alle höheren Berufen ermöglicht wurde.

Petitionen 1904

Einen kräftigen Anstoß, den Ausbau in Angriff zu nehmen, gab den städtischen Behörden im Frühjahr 1904 die Bürgerschaft mit drei Petitionen mit 431 Unterschriften. Besonders der praktische Arzt, Dr. Thieme, nahm die Wünsche der Eltern auf und warb für den Ausbau zur Oberrealschule. Dazu mussten drei neue Oberlehrerstellen geschaffen und die Raumkapazitäten erweitert, sowie das Schulgeld erhöht werden.

Die städtischen Behörden, besonders unterstützt durch den ersten Bürgermeister Rampoldt und den Stadtrat Freyberg, der als Kuratoriumsmitglied in näherer Beziehung zur Schule stand, entschlossen sich zur Erweiterung der Schule mit einem Anbau an das alte Gebäude. Im Herbst 1904 kam die Genehmigung der ministeriellen Behörde, so dass Ostern 1905 die Obersekunda eingerichtet werden konnte.

Der Chemie- und Physikunterricht konnte ab diesem Zeitpunkt in den umgewandelten Räumen des alten Gebäudes stattfinden* und Ostern 1906 war der Anbau soweit fortgeschritten, dass zwei neue Klassenräume und ein Zeichensaal in Benutzung genommen werden konnte.

In der Folge erhöhte sich die Schülerzahl beträchtlich, so dass die Ausstattung der Räume, die dem Charakter der Schule entsprechend nun höheren Anforderungen genügen musste, ohne größere Belastungen der Stadt in Angriff genommen werden konnte. Ab dem Schuljahr 1905/06 nannte sich die Anstalt „Oberrealschule in Entwicklung zu Delitzsch“. Schrittweise wurden Obersekunda, Unterprima und Oberprima eingerichtet und am 2. April 2008 nahm die Entwicklung ihren Abschluss mit der Anerkennung als Oberrealschule durch den Unterrichtsminister. Zu Ostern fanden die ersten Prüfungen in der Oberprima statt, nach denen die Schule 9 Schüler zum Studium an die Universität entlassen konnte.

Die Schule besuchten zu Beginn des Schuljahres 2008 269 Schüler (14 Oberprima, 14 Unterprima, 21 Obersekunda, 26 Untersekunda, 28 Obertertia, 40 Untertertia, 37 Quarta, 35 Quinta, 44 Sexta). Der Gesamtetat betrug 68 800 Mark.

Der Unterricht erfolgte in 9 Jahreskursen, wobei die beiden obersten (Ober- und Unterprima) kombiniert unterrichtet wurden. Schüler, die in ihrem späteren Studium Lateinkenntnisse nachweisen mussten, stand in der Obersekunda und in der Prima ein den ministeriellen Bestimmungen entsprechender Lateinkurs zur Verfügung. Der Ostern 1894 eingerichtet Lateinkurs für die unteren Klasse war 1904 wegen mangelnder Beteiligung nicht fortgesetzt worden. Außer der Stelle des Direktors standen der Schule 9 Oberlehrerstellen, eine Zeichenlehrerstelle und eine Elementarlehrerstelle zur Verfügung.

50-jähriges Jubiläum

Damit war genau im 50. Jahr ihres Bestehens die Entwicklung der Schule zur Vollanstalt abgeschlossen. Das 50-jährige Jubiläum war sowohl für die Schule wie auch für die Stadt ein besonderes Ereignis. Vorbereitet wurde das Ereignis durch einen Festausschuss, der aus Vertretern des Magistrats und der Stadtverordneten, aus ehemaligen Schülern und Vertretern des Lehrekollegiums bestand. Die Feierlichkeiten fanden am 2. und 3. Juli statt.

Einen Auszug aus dem Bericht des Jubiläums können Sie hier nachlesen.

In seiner umfangreichen Darstellung würde er an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Es sollten aber mindestens noch die Spenden erwähnt werden, die Gäste und ehemalige Schüler aus diesem Anlass tätigten.

  • Städtische Körperschaften (Erster Bürgermeister Rampoldt): 6 Büsten für den Festsaal & 2000 Mark zur Durchführung des biologischen Unterrichts in de Oberklassen
  • Ehemalige Schüler (Stadtrat Freyberg): Bilder der ehemaligen Rektoren Giesel und Kayser, 1460 Mark, deren Zinsen weniger bemitteltem Schülern die Teilnahme an Schülerfahrten, Klassikervorstellungen und Ähnlichem erleichtern sollen & Glasmalereien der 8 Fenster des Festsaales
  • Bildhauer Richter in Berlin: kunstvolles, den Ritter Georg darstellendes Relief für den Kamin des Festsaales
  • Rentner Hennig: ein prachtvoller Flügel
  • Stadtrat Freyberg: 1200 Mark zur Verstärkung der bereits früher von ihm gestifteten Unterstützungsbibliothek
  • Herrn Theodor Berger (ehemaliger Turn- und Zeichenlehrer der Anstalt): 1000 Mark, deren Zinsen für Schülerprämien verwendet werden sollen, (siehe Bild rechts)
  • Uhrmacher Rose: ein Regulator für das Konferenzzimmer
  • Prof. Dr. Mentz (ehemaliger Lehrer): 50 Mark für ein Wandbild
  • Paul Abendroth (ehemaliger Schüler): eigene Komposition eines Jubelmarsches
  • Kultusminister: überlebensgroßes Bild des Kaisers in Kürassieruniform

Im Schulprogramm 1908/09 sind die Namen von 387 ehemaligen Schülern aufgeführt, die sich an Spenden beteiligten. Von dem Lehrer Georg Baumert wurde ein „Lied der alten Schüler an ihre Schule“ verfasst, dass man HIER einsehen kann.

Die Hausordnung der Schule war in dieser Zeit schon recht umfangreich und griff auch in das außerschuliche Leben der Schüler ein. So regelte sie zum Beispiel, dass sich Schüler während der festgelegten Hausaufgabenzeit nicht auf der Straße aufhalten durften. Ferner war auch die Möglichkeit des Besuchs von Gaststätten und Cafes entsprechend der Klassenstufen geregelt.Die Eltern waren aufgefordert streng auf die Einhaltung zu achten. Auch die Pensionäre (Bürger bei denen auswärtige Schüler untergebracht waren) wurden hier in die Pflicht genommen. Bei Verstößen konnte ihnen das Recht der Aufnahme von Schülern entzogen werden.

So konnte die Schule jetzt einige wenige Jahre ihre Aufgabe in Ruhe erfüllen, bis am 1. August 1914 der Weltkrieg ausbrach. Diese Ereignis hinterließ auch in dieser Einrichtung seine Spuren. Mit Beginn des Krieges wurden die ersten Lehrer eingezogen (Dr. Müller, Herr Schmidt), wenig später folgten Herr Reinboth und Dr. Votsch. Wie schon im Krieg 1870/71 fiel Unterricht für Siegesfeiern aus. Andererseits wurden Schüler zunehmend für Hilfsdienste eingesetzt (Verpflegungsstelle des Roten Kreuzes auf dem Bahnhof, Bewachen von Bahnübergängen, Durchsuchen von Autos, Sammeln von Münzen, Metall und Wollsachen).

Das Schulprogramm 1914/15 war das letzte, das in dieser Zeit erschien. Daher sind für die weiteren Jahre bis zum Ende der Monarchie die Informationen sehr spärlich. Jedoch zeugen Aufstellungen über gefallene Lehrer, Schüler und ehemalige Schüler (Klicken Sie auf das Bild links!) davon, dass das Ende der Schulzeit zugleich das Ende jeglicher Hoffnung sein kann. Dem kam aber letztendlich die national-vaterländische Ausrichtung in der Erziehung der Schüler auch dieser Einrichtung entgegen, leider auch nicht das letzte Mal. Eine Gedenktafel für die gefallenen Schüler wurde am 29. November 1919 enthüllt. Sie befindet sich noch im Besitz der Schule.

Quellen für die bisherigen Aufzeichnungen waren im Wesentlichen die Programme, die vom Schuljahr 1864/65 bis 1914/15 vollständig vorhanden sind sowie die Festschrift von Dr. Wahle zum 50-jährigen Bestehen der Schule, zu geringerem Teil auch die Festschrift von Dr. Müller zum 75-jährigen Schuljubiläum. Letztere wird für den nächsten Abschnitt von größerer Bedeutung sein, zumal die Schulberichte erst ab 1924 wieder von der vorgesetzten Behörde gefordert wurden.

Die Schule in der Weimarer Republik (1919 bis 1932)

Schwierige Zeiten

Die Jahre ab 1918 waren für den Unterricht besonders schwierig. Zunächst nahmen zwar die ehemaligen Lehrer die in den Krieg einberufen wurden ihren Dienst in der Schule wieder auf (bis auf Herrn Dominik , der nach einem Jahr Lehrertätigkeit an der Schule im Schuljahr 1913/14 im August 1914 in den Krieg ziehen musste und am 11. März 1916 fiel), aber die Umstände waren für einen geordneten Unterrichtsablauf nicht günstig.

In der strengen Kälte des Winters waren die Kohlenvorräte schnell aufgebraucht und konnten nur sporadisch ergänzt werden. Die Schüler wurden während der Unterrichtszeit zum Laubheu sammeln geschickt. Gegen Ende 1918 musste der Unterricht wegen der spanischen Grippe für mehrere Tage ausgesetzt werden, da nur noch die Hälfte der Schüler anwesend war. Für drei Monate mussten die Räume jeweils ab 12 Uhr der höheren Mädchenschule zur Verfügung gestellt werden, da in deren Gebäude ein aufzulösendes Infanterieregiment untergebracht war.

Weitere Ausfälle waren durch politische Ereignisse wie Generalstreik, Gegenstreik im März 1919 sowie Auseinandersetzungen der Arbeiter mit der Reichswehr im März 1920. Die Lage war besonders im Raum Halle-Leipzig so unsicher, dass viele Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schickten. Trotzdem bemühte sich das Lehrerkollegium den Unterricht so normal wie möglich durchzuführen. Zusätzlich zu den üblichen Klassen und Schülern hatte die Schule 1919 noch die Aufgabe zwei Lehrgänge für Kriegsteilnehmer einzurichten. Für die 44 Teilnehmer wurden noch zwei Hilfslehrer eingestellt.

Gänzlich neu für die Einrichtung war Ostern 1919 die Aufnahme von Mädchen. Ursprünglich nur als Notbehelf für Delitzscher Mädchen gedacht, die wegen der erschwerten Bedingungen ihre Schulen in Bitterfeld und Halle nicht besuchen konnten (3 in der Obersekunda, 3 in der Untersekunda und 2 Gastschülerinnen in der Unterprima) folgten weitere auch in unteren Klassen, Neujahr 1924 sogar eine Sextanerin. Turnen hatten die Schülerinnen gemeinsam mit denen der höheren Mädchenschule.

Insgesamt kann das Kollegium der Schule wohl als konservativ eingeschätzt werden. So bedauerte es Dr. Müller in seiner Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Schule, dass das große Kaiserbild sowie die Kaiserbüste aus der Aula entfernt werden mussten. Ebenso wurde die Feier des Sedanstages abgeschafft. Dafür musste eine Schulfeier am Verfassungstage begangen werden, die nur schwerlich bei den Lehrern Begeisterung hervorrief. Bedauert wurden die scharfen Vorschriften im Bereich der vaterländischen Geschichte. Auch durften die bisher genutzten Lehrbücher dafür nicht mehr verwendet werden. Der Religionsunterricht wurde freiwillig, aber unter dem Einfluss der Elternhäuser nahmen alle Schüler (bis auf einen Adventisten) weiterhin daran teil.

Begrüßt wurde die Aufwertung und positive Entwicklung bisher wenig beachteter Fächer und Einrichtungen. So wurde Turnen in den Rang eines Prüfungsfaches erhoben. Weiterhin wurden Spielnachmittage ins Leben gerufen und die Wandertage inhaltlich neu ausgerichtet. Für die Spielnachmittage musste erst eine geeignete Form gefunden werden, denn es gelang nicht einmal den Schülersportvereinen, die seit Beginn des Jahrhunderts existierten, ihre Mitglieder zusammenzuhalten. Schließlich einigte man sich auf einen Rahmen von sechs Abteilungen: Turner, Fußballspieler, Radfahrer und drei Wandergruppen. Die Wandertage wurden in Form von Besuchen in zoologischen Gärten, völkerkundlichen und anderen Museen, naturwissenschaftlichen Sammlungen, Besichtigungen in Leipzig und Halle, sowie im Winter auch Eislauf und Rodeln durchgeführt, weil das eigentliche Wandern wegen der landschaftlichen Einförmigkeit der Umgebung Delitzschs nicht gerade ersprießlich war.

Wegen der durch die Bahnfahrt bedingten Kosten konnten Schulausflüge des alten Typs (Wörlitz, Harz, Thüringen, Nürnberg, Riesengebirge, Mecklenburg und Rügen, in die Alpen) nur noch einmal im Jahr durchgeführt werden. Da Turnen jetzt Prüfungsfach war, ließ die Stadt auf Drängen der Schule und der Eltern die Turnhalle wieder Heizen, so dass auch in den Witermonaten der Turnunterricht abgesichert war.

Im naturwissenschaftlichen Unterricht wurden die physikalischen Schülerübungen in gleicher Front auch in der Untersekunda und Obertertia eingeführt. Dazu musste ein neuer Raum hergerichtet werden. Ebenfalls wurde ein neuer Schülerübungsraum für die Chemie zur Verfügung gestellt. Die bisher im Anbau untergebrachten zwei Volkschulklassen wurden in einem anderen Gebäude untergebracht. Der 1900 eingerichtete Botanische Garten stand weiter zur Verfügung, ebenfalls die Schaukästen, Aquarien und Terrarien.

Für die 1922 beantragte Einrichtung von Werkunterricht stellte die Stadt keine Mittel zur Verfügung. 1923 wurde im frei gewordenen biologischen Sammlungsraum eine Werkstatt für Papparbeiten und Buchbinden eingerichtet. Die Mittel dazu erhielt der Direktor als Spende von ehemaligen Schülern aus Anlass seines 25-jährigen Wirkens an der Schule, die sie nach der Inflation durch eine weitere ergänzten.

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